Montag, 22. Februar 2016

Arbeiten für barrierefreien Ausbau des Bahnhof Ohlstedt sind in vollem Gang - Kiosk und Eisdiele bleiben den Ohlstedtern erhalten


Vorne rechts auf der Rasenfläche und den ersten beiden Stellplätzen wird die provisorische Eisdiele stehen. Foto: HDS



(SH) Seit Anfang Februar laufen die Arbeiten zum Umbau des Bahnhof Ohlstedt auf Hochtouren. Endlich wird es auch an der Endhaltestelle einen Fahrstuhl geben. Bis es aber zum Jahresende soweit ist, müssen die Nutzer viele Widrigkeiten in Kauf nehmen. 

Fahrradstellplätze und Wiese vor dem Eingang sind einer Baustelleneinrichtungsfläche gewichen. Unter der Brücke wird der Verkehr mittels Ampelschaltung nur noch einspurig geführt, denn an den Widerlagern müssen umfangreiche Stabilisierungsarbeiten durchgeführt werden. Und überall schlängeln sich provisorische Kabelbündel.

Trotz der Arbeiten kann dankenswerter Weise der Kiosk geöffnet bleiben, die Eisdiele aber muss für diese Saison am bisherigen Standort geschlossen werden. Die Betreiber, die Familie Wünschirs, stand vor der Wahl, zu schließen oder einen anderen Standort zu finden. Zum Glück für die vielen Eisliebhaber aus Ohlstedt und Umgebung, haben sie sich entschlossen, trotz der ungünstigen Bedingungen im Umfeld einer staubigen, ungemütlichen Baustelle und der hohen Mehrkosten, ihre Dienste weiterhin anzubieten. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite können zwei Stellplätze des kleinen Parkplatzes und ein Stück Wiese während der Saison 2016 vom Eisbär genutzt werden. Dort stehen dann ein Verkaufshäuschen und einige Tische und Stühle. Die Kosten für die provisorische Verlagerung sind jedoch hoch: der neue Standort muss von der Stadt gemietet werden, neue Anschlüsse für Ver- und Entsorgung gelegt und der Verkaufsraum angeschafft werden. Da muss die kleine Eisdiele schon sehr viele Eiskugeln verkaufen, um die Mehrkosten zu begleichen, bis dann die erste Kugel tatsächlich Gewinn abwirft. Um die finanziellen Mehrbelastungen zu reduzieren, konnte die Familie Wünschirs in aufwendigen Verhandlungen erreichen, dass die Hochbahn als Veranlasserin der Umbaubaumaßnahme und Eigentümerin des Bahnhofsgebäudes zumindest die Mietgebühren für den Lagerraum im Bahnhof während der Bauzeit aussetzt, obwohl er weiter genutzt werden darf. Dort, wo bisher nur die Zutaten lagerten, wird zukünftig die Eismaschine produzieren. Eine Entschädigung für die großen Unannehmlichenkeiten wird jedoch nicht bezahlt. Die Sprinkenhof AG, auf deren Grund die alte Eisdiele steht, hat für die Dauer der Bauzeit auf ihre Pacht verzichtet.

Die Familie Wünschirs hat sich an den Bürgerverein gewendet, sie in ihrem Bemühen zu unterstützen. Da dem Bürgerverein im Interesse der Ohlstedter daran gelegen ist, dass diese alteingesessene, äußerst beliebte Einrichtung an zentraler Stelle im Ort erhalten bleibt, hat er sich in einem Brief an die bezirklichen Gremien dafür eingesetzt, dass die Pacht für den Ersatzstandort minimiert wird. Nach Aussage der zuständigen Verwaltungseinheit seien die Kosten schon am unteren regulären Limit, sie betragen aber immer noch mehrere Tausend Euro und sind dreimal so hoch wie für den alten Standort.
Kurz vor Redaktionsschluss konnte durch die Hilfe des Bürgervereins zwischen der Familie Wünschirs auf der einen und der Hochbahn, der Sprinkenhof AG und der zuständigen Bezirksverwaltung auf der anderen Seite eine einvernehmliche Einigung erzielt werden. Eine gerechte, ausgeglichene Kostenverteilung wurde gewährleistet, noch bevor die Politik aktiv werden musste. Trotzdem verbleibt für die Betreiber ein betriebswirtschaftliches Risiko, das wir alle durch hohen Eiskonsum minimieren können.






Sonntag, 14. Februar 2016

Verhandlungen zum Ohlstedter Flüchtlingscamp: Kompromisslösung für Flüchtlingsunterbringung auf naturschutzrechtlich umstrittener Fläche ist greifbar - Bürgerverein begrüßt den erreichten Fortschritt

Pressemitteilung
Der Bürgerverein begrüßt den erreichten Verhandlungsstand zur Zwischennutzung der naturschutz-rechtlich umstrittenen Fläche an der Hoisbütteler Straße in Ohlstedt für eine Flüchtlingsunterkunft, den der Wohldorfer Wald Hilfsfonds e.V. als einer der Verhandlungsführer jetzt in Ohlstedt verkünden konnte. Andreas Dressel und Christiane Blömeke auf der einen Seite sowie der BUND und der Wohldorfer Wald Hilfsfonds e.V. auf der anderen Seite verhandeln über eine Vereinbarung zwischen der Stadt Hamburg und den Klägern gegen den Bebauungsplan Wohldorf-Ohlstedt 13, durch die die Zeltunterkunft für 420 Flüchtlinge auf dem Ohlstedter Platz durch eine feste Unterbringung auf einer Grünfläche an der Hoisbütteler Straße ersetzt werden kann.
Die im Eigentum der Stadt befindliche Fläche ist ein seit vielen Jahren sensibles Thema: Sie liegt im Gebiet des umstrittenen B-Plans WO 13, gegen den wegen Verstößen gegen Naturschutzbestimmungen eine Normenkontrollklage vor dem Oberverwaltungsgericht läuft. Der Senat hat den Klägern, zu denen auch der BUND gehört, im Rahmen des Verfahrens rechtsverbindlich zugesagt, dass bis 2020 keinerlei Bebauung erfolgt. Bis dahin ist daher ohne Zustimmung der Kläger auch eine Flüchtlingsunterkunft auf der Fläche nicht zulässig.
Die Verhandlungen haben nun erstmals einen Zwischenstand erreicht, der als Durchbruch bezeichnet werden kann, wenn er auf Seiten der Stadt von den Behörden und auf Seiten der Kläger von den Entscheidungsgremien abgesegnet wird:
• Die Stadt darf auf der streitigen Fläche Unterkünfte in Holzbauweise für eine Erstaufnahmeeinrich-tung mit 490 Plätzen errichten. Die Nutzung ist beschränkt auf drei Jahre. Das Zeltlager auf dem Ohlstedter Platz wird aufgelöst und die Flüchtlinge können aus den Zelten in feste Häuser umziehen.


• Im Gegenzug wird durch Grundbucheintragung und einen neuen Bebauungsplan gesichert, dass nach Ablauf dieser Zwischennutzung fast die gesamte umstrittene Fläche dauerhaft von Bebauung freigehalten wird. Damit wird den naturschutzrechtlichen Bedenken gegen den umstrittenen B-Plan WO 13 Rechnung getragen, nämlich dass die Flächenversiegelung den Wasserhaushalt im Naturschutzgebiet Wohldorfer Wald gefährdet und dass eine wichtige Biotopverbindung unterbrochen würde.
• Mit einem neuen Bebauungsplanverfahren werden die Festsetzungen des umstrittenen B-Plans WO 13 aufgehoben. Als Ersatz für die hierbei entfallende Bebauung mit rund 170 Wohneinheiten wird auf einer östlich angrenzenden Fläche der Bau von 115 Wohneinheiten ermöglicht.

Hans-Detlef Schulze, Vorsitzender des Bürgervereins bewertet dieses Zwischenergebnis wie folgt:
„Das sind erst die Eckpunkte für eine Übereinkunft, die ja noch von den zuständigen Behörden und Gremien abgesegnet werden müssen. Es ist aber ein Durchbruch, dass erstmals ein übereinstimmendes Zwischenergebnis erzielt wurde.
Wenn dieser Kompromiss rechtsverbindlich vereinbart werden kann, dann ist das ein Gewinn für alle:
• Die Naturschutzziele für die umstrittene Fläche des B-Plans WO 13 werden im Kern langfristig gesichert: Minimierung der Beeinträchtigung des Wasserhaushalts des Wohldorfer Waldes und keine Unterbrechung der Biotopverbindungen.
• Die Flüchtlinge kommen aus den Zelten in feste Unterkünfte und die Zahl der Plätze der Erstaufnahme wird von 420 auf 490 erhöht.
• Die Stadt kann immerhin für 115 Wohneinheiten an einem weniger sensiblen Standort einen neuen B-Plan aufstellen und so zur Verbesserung der Wohnungsversorgung in Hamburg beitragen.

Ohlstedt zeigt, dass der Ort nicht gespalten, sondern zu sinnvollen Kompromissen in der Lage ist. Hier haben die Anwohner trotz Beeinträchtigungen nicht gegen die Flüchtlingsunterkunft geklagt, und hier bekommt man Naturschutz und Flüchtlingsunterbringung unter einen Hut. Für dieses Zwischenergebnis gebührt den Verhandlungsführern auf beiden Seiten Respekt.“